Die Basler Mission seit 1815 - ein Überblick

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Die Anfänge

Eine Vision und viel Mut hatten die Basler Pfarrer und Laien, die vor bald 200 Jahren zusammen mit C.F. Spittler aus Württemberg die Basler Mission gründeten. Rasch fanden sich im weiten Umkreis Freunde, die ihr Anliegen teilten. So entstanden schon bald nach 1815 Hilfsvereine in vielen grossen und kleinen Städten, die konkrete Verpflichtungen übernahmen, und das zukünftige Stammland der Basler Mission bildeten. Die Gründung hatte auch Signalwirkung für die Gründung von Missionshilfsvereinen überall in der deutschsprachigen Welt.

Aufgrund des Missionsbefehls Jesu (Matthäus 28, 18-20) setzt sich diese Bewegung für die Ausbildung und Aussendung von Missionaren ein.

Nicht Profitgier, sondern das Evangelium sollte der Grund dafür sein, als christliche Europäer in fremde Kontinente zu gehen. 1827 schon erging die Instruktion an die Missionare:

… auf jedem eurer Schritte in der Negerwelt es keinen Augenblick zu vergessen, wie übermütig und schändlich seit Jahrhunderten die armen Neger fast durchgängig von Menschen, die sich Christen nannten, behandelt worden sind … und wie viel unter ihnen gutzumachen ist.“

Pietistische Wurzeln – Oekumenische Weite

In Basel fest verwurzelt, war die neue Missionsgesellschaft von Anfang an durch das Zusammenwirken von reformierten Schweizern und Lutheranern württembergischer Prägung gekennzeichnet.

Von zentraler Bedeutung waren für die Basler Mission die Stundenleute aus dem schwäbischen Pietismus, die für die Mission beteten, Geld gaben und immer wieder Menschen ermutigten, in die Mission zu gehen. Vor 1914 waren über die Hälfte Basler Missionare Württemberger. Ihre handfeste und bodenständige Art prägte die Arbeit in

Uebersee und ihre Sorge um den Lebensunterhalt der Christen hat sie zur Verteidigung von einheimischen Landrechten in Kamerun und überall zur Suche nach neuen Beschäftigungs­­möglichkeiten motiviert. Mit Basler Führung und schwäbischer Basisarbeit entwickelte sich eine starke Missions-Handels-Gesellschaft, die v.a. in Ghana und Südindien eine Rolle in der Entwicklungsgeschichte hatte.

Die Kolonialzeit des 19. Jahrhunderts – ein kritischer Rückblick

Vor hundert Jahren arbeitete die Basler Mission im Rahmen eines sich immer weiter ausbreitenden Kolonialismus verschiedener europäischer Länder. Das brachte Fragen der inneren Verträglichkeit mit der Mission mit sich. Im Rückblick sehen wir heute manches kritisch. Beispielsweise:

  • Dass die Missionare sich nicht jeder politischen Situation anpassen dürfen, um das Evangelium predigen zu können;
  • Dass wir nicht einfach die europäische Lebensweise als die allein christliche ansehen dürfen;
  • Dass sich Christen und Kirchen nicht unkritisch den Mächtigen zur Verfügung stellen dürfen.

Es gab allerdings schon immer – auch in der Basler Mission – eine gesunde Tradition des Widerstandes gegen Missstände und den Missbrauch von Autorität. Diese Tradition bringt die Mission bis heute immer wieder zum Nachdenken.

Kriege und Krisen – die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts

Die Zeit schwerer Krisen nach 1914 hat sich auf die Basler Mission in einschneidender Weise ausgewirkt. Im Ersten Weltkrieg kam die Arbeit von europäischen Missionaren auf allen Missionsfeldern ausser China zum Erliegen. Von 1924 an, nachdem man sich von der Missions-Handelsgesellschaft getrennt hatte, konnte zwar der Wiederaufbau beginnen; er wurde jedoch durch die Weltwirtschaftskrise sowie durch die NSDAP Machtergreifung in Deutschland stark beeinträchtigt. Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges zogen sich die Deutschen Mitglieder aus der Leitung der Basler Mission zurück, um die internationale Tätigkeit der Basler Mission nicht zu gefährden. Sie gründeten die „Basler Mission Deutscher Zweig“.

Die fortschreitende Unabhängigkeit der europäischen Kolonien in Afrika und Asien seit 1945 und der Sieg der kommunistischen Revolution in China brachten grosse Veränderungen und ganz neue Fragen und Probleme für die Basler Mission mit sich. Vor allem führten sie zur Uebertragung von Verantwortung auf die jungen unabhängigen Kirchen in neu unabhängigen Ländern.

1945 - 2000 Partnerschaft und Nähe zu den Menschen

In der Welt der unabhängigen früheren Kolonien spielte für die Mission der Begriff der Partnerschaft eine entscheidende Rolle. Nur auf Einladung einheimischer Kirchen in Asien, Afrika und Lateinamerika, die mehr und mehr ihre Arbeit selbst verantworten, versuchte die Basler Mission, Zeugnis und Dienst mit zu gestalten.

Ganzheitlichkeit in Dienst und Zeugnis sowie Nähe zu den Menschen kennzeichneten die Ueberseearbeit der Basler Mission in dieser Zeit. Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren vorwiegend auf drei Gebieten tätig:

  • In der Aus- und Weiterbildung von Pfarrern und Laien.
  • In der Evangelisation und im Gemeindeaufbau.
  • In der landwirtschaftlichen Arbeit, Gesundheitsdienst und Berufsausbildung.
  • Im Bereich des fairen Handels und der Suche nach neuen Märkten für traditionelles Handwerk.

Dabei hat die Basler Mission eine grosse Umwandlung durchgemacht.

In der Kolonialzeit war sie beispielsweise ausgesprochen hierarchisch geprägt. Nach 1945 betonte sie die Selbständigkeit von Partnerkirchen sowie von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Nicht von ungefähr empfängt sie gegenwärtig ihre wohl grösste Dynamik aus der wachsenden Ent­faltung der Frauen. Sie tragen entscheidend zu neuen missionarischen Impulsen bei.

Einst propagierten die Missionare eine schwäbisch-baslerische Art des Christseins. Sie identifizierten sich stark mit ihrer nationalen Herkunft. In den Generationen nach 1945 freut man sich in der Mission über die verschiedenartigen Wege, die Christus mit seinem Volk, der Kirche, in den verschiedenen Kulturen der Menschheit geht.

Basler Mission, EMS und mission 21

Der rote Faden: Gottes Auftrag

In den 1970er Jahren war die Basler Mission Gründungsmitglied der Kooperation Evangelischer Kirchen und Mission in der deutschen Schweiz (KEM) und des Evangelischen Missionswerkes in Südwestdeutschland (EMS). Nachdem die KEM aufgelöst wurde, war die Basler Mission Gründungsmitglied von mission 21, eine Fusion von fünf, später vier, schweizerischen Missionsgesellschaften. Mission 21 in der Schweiz, wie EMS in Südwestdeutschland, haben die operative Leitung übernommen hat.

Mission 21 sieht sich als Erbin des "Gwatt Prozesses", in dem die Basler Mission in den frühen 1990er Jahren die Verantwortung der Leitung internationalisiert hat. Durch kontinentale Konferenzen und Vertretung in der Synode von mission 21 haben alle Partnerkirchen – europäische, afrikanische, asiatische und lateinamerikanische - Rechte und Verantwortung in den obersten Gremien der Missionswerke. Das EMS hat durch ihren "Jerusalem-Prozess" eine ähnliche Struktur entwickelt.

Innerhalb dieser Organisationen trägt die Basler Mission die Verantwortung für den Unterhalt des alten Missionsareals in Basel, wo das alte Missionshaus zu einem guten Grad als Bildungszentrum und Hotel genutzt wird. Die Basler Mission ist auch verantwortlich für die Verbindung von Menschen in der Schweiz und Deutschland, die sich mit ihr identifizieren, mit EMS und Mission 21. Und sie trägt Sorge , dass die Erbschaft des sich dynamisch entwickelnden 200-jährigen Zeugnisses der Basler Mission in EMS und Mission 21 stark bleiben.

Wenn wir auf unsere Väter und Mütter in der Basler Mission zurückblicken, sind wir beschämt. Vom Evangelium ergriffen, haben sie einst ihr Leben verändern lassen. Sie zogen hinaus, um in fernen Ländern zu predigen und zu arbeiten. Oft haben sie dabei ihr Leben riskiert und gar verloren.

Und auch wenn sich manches geändert hat im Laufe von 175 Jahren – etwas zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte der Basler Mission: der Auftrag Gottes, sein Reich in dieser Welt zu bezeugen; der Ruf Gottes an Menschen und Bewegungen, das Evangelium für ihre Zeit in rechter Weise umzusetzen.

Basel, Mai 2010