Geschichte des Missionshauses

Das Missionshaus wurde 1858 - 1860 durch die evangelische Missionsgesellschaft Basel errichtet. Architekt war der bekannte Basler Johann Jakob Stehlin der Jüngere. Das Gebäude ist aus architektonischen und sozialge­schichtlichen Gründen als Denkmal einzustufen. Es ist der architektonische Ausdruck einer bedeutenden christli­chen Institution, die von hier aus Wirkung in der ganzen Welt erlangte. Der Bau wurde deshalb auch als "Glau­bensburg" bezeichnet. Die evangelische Missionsgesellschaft war sehr wichtig für das religiöse und soziale Leben in Basel von der Gründung 1815 an bis zum Ersten Weltkrieg.

Danach folgte eine Periode der Krise und der grundlegenden Veränderungen. Nach dem Zweiten Weltkrieg begann neuerdings ein Aufschwung. Johann Jakob Stehlin der Jüngere schuf 1858 - 1860 mit dem Missionshaus einen eleganten "Zweckbau", der den Bedürfnissen der Basler Mission bis heute Rechnung trägt. Der bedeutende Basler Architekt war für die Gesamtkonzeption des Baus verantwortlich und plante auch die Ausstattung bis ins Detail. Dazu gehörten die Fenster, Türen, Schränke, Vitrinen im Museum, das Katheder und die Kanzel im Betsaal, Bücherschränke, die Einrichtung des 'Comitee'-Zimmers im 1. Obergeschoss und die Einrichtung des Buchladens. Stilistisch gesehen mischt sich eine spätklassizistisch-strenge Grundhaltung mit vorwiegend neugotischen und wenigen neuromani­schen Details. Die Stilrichtung kann mit romantischem Klassizismus umschrieben werden. Der Bau überzeugt in seiner stilistischen Sicherheit und Klarheit.

Beim Missionshaus handelt es sich um einen frühen, einzigartigen Grossbau im Quartier 'Am Ring', das ab 1860 zu wachsen begann. Ausserhalb des Spalentors befand es sich bei seiner Erbauung in idyllischer, ländlicher Umgebung. Auch heute noch vermittelt der Bau mit seinem grösstenteils unverbauten Garten den ursprünglichen Eindruck. Als Grossbauten, die zeitlich nach dem Missionshaus im Quartier errichtet wurden, sind die Synogoge und die Marienkirche zu erwähnen. In diesem Zusammenhang besitzt das Missionshaus einen wichtigen Identi­fikationswert einerseits im Quartier, andererseits in der ganzen Stadt. Über die Grenzen des Quartiers hinaus besitzt das Missionshaus seine Bedeutung als wichtiger, religiöser Gemeinschaftsbau des herausragenden Ar­chitekten Johann Jakob Stehlin.

Baugeschichte / Erhaltungszustand

Ab 1858 wurde auf einem grossen langrechteckigen Grundstück vor dem Spalentor an der damaligen Burgfel­derstrasse das neue Missionshaus geplant. Dies war der dritte Standort der 1815 in Basel gegründeten 'Evangeli­schen Missionsgesellschaft Basel'. Die Basler Mission kann als Tochter der Deutschen Christentumsgesellschaft bezeichnet werden. Wichtige Impulse kamen von der Pietismus-Bewegung aus Württemberg. Bei der Gründung waren unter anderem Christian Friedrich Spittler, der Sekretär der 'Deutschen Christentumsgesellschaft' und Niklaus von Brunn, Pfarrer von St. Martin in Basel anwesend. Der Missionsgesellschaft stand ein Komitee bestehend aus Basler Pfarrern und Geschäftsleuten vor. Hauptaufgabe der Gesellschaft war die Ausbildung von Missionaren und deren Entsendung in die Missionsgebiete. Die Auszubildenden kamen in der Hauptsache aus ländlichen Gegenden in Württemberg, kaum aus Basel oder aus der übrigen Schweiz. Von 1816 - 1820 befand sich die Basler Mission an der Rittergasse 22/St. Alban-Graben. 1820 - 1860 wurden aus Platzgründen Räume an der Leonhardsstrasse / Steinengraben bezogen; die Strasse hiess damals nach der Mission 'Missionsgässlein'. Als sich die Organisation noch weiter vergrösserte und noch mehr Platz brauchte, vermachte Christoph Merian-Burckhardt 1856 der Missionsgesllschaft 100'000 Fr. 1858 folgten weitere 100'000 Fr. Mit diesem Geld konnte Karl Sarasin, Ratsherr und Komiteemitglied der Basler Mission das Grundstück an der damaligen Burgfelder- und späteren Missionsstrasse kaufen. 1858 bildete sich auch eine Baukommission unter dem Ratsherr und Band­fabrikanten Adolf Christ-Sarasin, dem Ratsherr und Bandfabrikanten Karl Sarasin-Vischer und dem Inspektor Joseph Friedrich Josenhans aus Freudenstadt (als Inspektor im Amt seit 1849). Mit dem Bau wurde Johann Jakob Stehlin der Jüngere beauftragt, der zwischen 1858 und 1860 das neue Missionshaus plante und ausführte. Das Baubegehren wurde am 28. Mai 1858 eingegeben und ist vom Architekten und von Adolf Christ-Sarasin, Präsident der evangelischen Missionsgesellschaft unterzeichnet. Der Neubau sollte den erweiterten Verwal­tungsbedürfnissen der Mission und der Ausbildung von Missionaren dienen. Der langrechteckige Bauplatz, der sich zwischen der Missionsstrasse und dem Nonnenweg erstreckt, veranlasste Stehlin, einen kompakten, ein­heitlichen Bau zu planen, der "der Grösse und Bedeutung seines Zwecks Ausdruck geben sollte." Zur gewählten Architektursprache schreibt Stehlin weiter in seinem Buch "Architectonische Mittheilungen aus Basel, Stuttgart 1893, S. 45 ff": "Dabei war allerdings mit Rücksicht auf die vorhandenen Mittel und auf den Zweck des Gebäu­des die Entfaltung reicherer Architecturformen ausgeschlossen, und die architectonische Wirkung des mächtigen Baues beruhte daher fast ausschliesslich auf der Disposition derselben und den dadurch gegebenen Verhältnis­sen."

Am 2. Juli 1859 wurde das Richtfest gefeiert und ein Zimmermann verlas vom Dach: "...will wohnen dann der Geist des Herrn, / der Geist der Ordnung und der Zucht, / der nichts als Gottes Ehre sucht, / der Geist des Frie­dens des Gebets; / ja, er will freundlich wohnen stets / und walten hier in diesem Haus / mit freier Macht jahrein und -aus." Am 4. Juli 1860 wurde der Bau eingeweiht und wenige Wochen später bezogen.

Der seit mehr als 150 Jahren intensiv genutzte Bau hat an seinem Äussern keine grösseren Veränderungen erfah­ren. Verputz und Farbigkeit wurden kürzlich von einem Restaurator untersucht und die laufende Restaurierung soll den Bau im Äussern wieder dem Originalzustand näherbringen. Bedingt durch Veränderungen in der Nut­zung des Missionshauses fanden im Innern verschiedene Umbauten statt. Davon betroffen waren vor allem die drei Obergeschosse, die ursprünglich im Mittelteil die Wohn- und Ausbildungsräume der zukünftigen Missio­nare (Zöglinge) aufnahmen. Hier wurden bereits Anfang des 20. Jahrhunderts die Raumstrukturen verändert. 1946 erfolgte eine grössere Umbauphase (u.a. Einbau von zwei Liften). Zu Beginn der fünfziger Jahre wurde die Ausbildung der Missionare eingestellt und die Wohn- und Ausbildungsräume konnten in Büros umgewandelt werden. Trotz der Eingriffe wirkt das Haus in allen Geschossen noch recht ursprünglich. Gut erhalten ist das Erdgeschoss mit dem Kernstück des Gebäudes, dem Museum im Mittelteil. Gesamthaft kann der Erhaltungszu­stand als gut eingestuft werden.

Der Architekt

Johann Jakob Stehlin der Jüngere wurde 1826 in Basel geboren und starb 1894 in Basel. Nach einer praktischen Ausbildung im Baugeschäft seines Vaters Johann Jakob dem Älteren begab sich Stehlin 1846 zum Studium nach Mainz und später nach Paris an die Ecole des Beaux-Arts. Es folgten weitere Studien in England und Berlin. Nach ausgedehnten Reisen durch Italien kehrte Stehlin Anfang der 1850er Jahre nach Basel zurück und über­nahm 1853 das väterliche Baugeschäft. Seine Ausbildung hatte ihn sowohl mit den deutschen, als auch mit den französischen Architekturströmungen der Mitte des 19. Jahrhunderts in Berührung gebracht. So ist in seinen frühen Werken eine Umsetzung von Renaissance- und Gotikeinflüssen vorherrschend. Die Vorliebe für den Barock französischer Prägung bildete sich erst im Laufe seiner Tätigkeit immer stärker heraus. Stehlin leistete auf diesem Gebiet hervorragende Arbeit. In der Ausbildung des Neubarock spielte Basel in der Schweiz eine führende Rolle. Stehlin publizierte seine öffentlichen und privaten Bauten 1893 in Stuttgart unter dem Titel "Ar­chitectonische Mittheilungen aus Basel". Das Missionshaus von 1858 - 1860 gehört zu den frühen Grossbauten von Stehlin. In denselben Jahren entstand das Gerichtsgebäude an der Bäumleingasse (1858/59) im Stil der Neurenaissance. 1863 folgte der Bau der Kaserne im Kleinbasel, ein Bau mit wehrhaftem Charakter und neugo­tischen Details. Stilistisch gesehen besteht zwischen dem Missionshaus und der Kaserne eine deutliche Ver­wandtschaft. Seine prominentesten und architektonisch weit entwickelten Bauten verwirklichte Stehlin nach eigenem Vorschlag im Umkreis des Steinenbergs in den Jahren zwischen 1872 und 1877. Es handelte sich um die Kunsthalle, das Stadttheater, das Steinenschulhaus und den Musiksaal am Casino. Bei allen vier Bauten wählte Stehlin den neubarocken Stil und verwirklichte eines der wichtigsten städtebaulichen Ensembles in Basel. Im Bereich der Wohnhaus- und Villenarchitektur betätigte sich Stehlin an der Malzgase, an der St. Alban-Vor­stadt und vor allem im Gellert. Bei den Villen kann im Vergleich zu den öffentlichen Bauten eine grössere Stil­vielfalt festgestellt werden.

Romana Anselmetti, Kantonale Denkmalpflege, Inventarisation, 2014 (unter Verwendung eines Textes von 1998)

 

Literatur / Quellen Staatsarchiv Basel-Stadt

Baubegehren, Brandversicherungsakten
Stehlin-Archiv, STABS, Originale Baupläne 
Johann Jacob Stehlin, Architectonische Mittheilungen aus Basel, Stuttgart 1893
Werner Bieder, Erfahrungen mit der Basler Mission und ihrer Geschichte, in: 169. Neujahrsblatt, Basel 1991, herausgegeben von der Gesellschaft für das Gute und Gemeinnützige (23-26) 
Paul Jenkins, Kurze Geschichte der Basler Mission, in: Texte und Dokumente Nr. 11, Mai 1989, herausgegeben von der Basler Mission